Politischer Wermutstropfen

Alkohol und Politik haben sich schon oft als verhängnisvolle Partner erwiesen. Man denke nur an diverse Volksfest-Reden, ganz zu schweigen von den Jahreshauptversammlungen diverser Ortsvereine in verrauchten Hinterzimmern. Alkohol zu verdammen geht nicht und führt zu unschönen Nebenerscheinungen wie Korruption und Mord. Der geneigte Filmfreund kennt dies aus einigen Krimis und Komödien (*) zur Lage der Trinker in den 20er oder 30er Jahren der USA. Allerdings sind die Zeiten der Prohibition ebenso vorbei wie die der politischen Entscheidungen in verrauchten Hinterzimmern der Nachkriegsjahre. Die Junge Union Neuöttings hat dies erkannt und spielt Bier-Pong ganz einfach im Garten ihres Vorsitzenden, selbstverständlich mit verdünntem Radler, dafür aber gleich als Stadtmeisterschaft, wie der Alt-Neuöttinger Anzeiger diese Woche berichtet. Es geht um das Treffen mit kleinen Bällen, was mit zunehmenden Alkoholkonsum selbstverständlich schwieriger wird. Die Regeln dieses Spiels sind weniger wichtig, bedeutender ist der dabei entstehende Rausch des Verlierers. Zu den Verlierern der Aktion dürfte sich allerdings unverhofft auch der JU-Vorsitzende zählen, den die Zeitung mit dem Hinweis zitiert, nur wer die Sprache der Jugend spreche, könne auch politische Inhalte vermitteln. Man kann das so übersetzen: die Politik der JU ist nur im Suff erträglich. In dem erwähnten Zeitungsartikel fanden sich allerdings keine Hinweise auf inhaltsschwere Diskussionen politischer Natur bei dieser JU-Veranstaltung – aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen bei der Veranstaltung einer politischen Gruppierung, deren Vorsitzender, wie man vernimmt, für den Neuöttinger Stadtrat kandidieren möchte. Dort könnte er dann Sitz und Stimme neben einem CSU-Parteifreund erhalten, der praktischerweise Brauereichef ist.

Robert Attenhauser

 

(*) wie „Some like hot“ oder „Once upon a time in America”

Don Camillos Prügel und die Notwendigkeit zu berichten

Vor einiger Zeit setzte in dem beschaulichen Dorf Brescello ein gewisser Don Camillo eine heftig geführte politische Auseinandersetzung mit seinem kommunistischen Kontrahenten Peppone non-verbal mit einem Holzknüppel fort. Alle fanden diese Form politischer Gewalt lustig, war ja auch nur im Film. Man stelle sich das heute im beschaulichen Bayern vor: der Pfarrer verpasst einem SPD-Bürgermeister eine Tracht Prügel. Was den einen oder anderen Leser amüsant auflachen lässt, hätte im realen Leben neben etlichen blauen Flecken ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung zur Folge. Spätestens vor Gericht wäre Schluss mit lustig. Die Pfarrer-Bürgermeister-Geschichte wäre natürlich eine Story wie gemacht für die Zeitung. Aber wie sieht die Sache bei ständiger Wiederholung aus? Ist das dann noch eine Nachricht? Was ist, wenn Politiker, lokal wie international, sich beständig Drohungen ausgesetzt sehen? Was ist, wenn sich die Gewalt ihren Weg in den Alltag gebahnt hat? Journalisten werden, solange es sie noch gibt, Augen und Ohren offenhalten. Und schreiben. Schwierig wird der Bericht, wenn die Klage über Verbalattacken nicht nur das Bedauern mit dem Opfer zur Folge hat, sondern sich auch als PR-Aktion für die Täter erweist – und von dort als Dank ein schmieriges Grinsen kommt. Man grübelt lang über eine Lösung. Manchen Unfug kann ein Politiker (wie ein Journalist auch) einfach wegstecken. Aber es gibt anderes. Nichts zu schreiben geht dann gar nicht. Nur muss stets die Ursache für die Attacken genannt sein – dass aus diesen extremistischen Ecken mangels realpolitischer Inhalte nichts anderes kommen kann als mit Boshaftigkeiten, Beleidigungen und Bedrohungen angefüllter heißer Luft.

Robert Attenhauser

Die gefährliche Wahl der Worte

Manche setzen mehr auf Stimmung als auf Fakten

Selbst diejenigen, die über Medien berichten, sind sich ihrer Verantwortung scheinbar nicht immer bewusst. Die Wahl der Worte ist ähnlich die der Wahl der Waffen: es kommt sehr wohl darauf an. Das Magazin Meedia hat sich bei der Wortwahl der Schublade mit der Aufschrift „Effekte“ bedient. Zu lesen war in einer Artikel-Überschrift von Deutschlands „meist gefürchteten Investigativredaktionen”. Allerdings, dies wird im Verlauf des Textes klar, war in einer Umfrage bei Pressestellen und PR-Redakteuren nach der meist „respektierten“ Investigativredaktion gefragt worden. Für mich ist es unzulässig, „respektiert“ durch „gefürchtet“ zu ersetzen, auch in einer zugespitzten Überschrift. Respekt hat eine andere Bedeutung als Furcht. Ob nun einfach Schlamperei oder doch Effekthascherei die Ursache dafür ist, der Journalismus nimmt in jedem Fall wieder einmal Schaden. Schade!

Robert Attenhauser

 

Auslöser des Blogbeitrages war ein meedia-Bericht über die meist „gefürchteten“ Investigativredaktionen:

meedia.de/2019/08/21/frontal-21-recherchebund-ndr-wdr-sz-und-spiegel-sind-die-meist-gefuerchteten-investigatiovredaktionen/

 

 

Kommunikation - ein Mittel gegen parteipolitische Schwindsucht

Viele beklagen das Schwinden der großen Volksparteien. Die Entwicklung wirkt sich nachteilig auf unsere Gesellschaft aus. Es wird Zeit für den Widerstand gegen die Trägheit altgedienter Parteistrategen, gegen das innerparteiliche Kleinklein, um auch und vor allem der Radikalisierung der Gesellschaft entgegenzutreten. Sicher gibt es viele Gründe für den Niedergang der Parteien. Ein Grund ist der zunehmend auseinanderklaffende Graben zwischen Bürger und Parteien, entstanden durch einen Mangel an Kommunikation und trotz aller vermeintlichen Social-Media-Kommunikationsriesen – die letztlich nur die Vereinsamung am Smartphone beflügeln, um sich selbst noch besser vermarkten zu können. Die Ortsvereine können den Kampf aufnehmen, noch kennt man sich vor Ort. Redet miteinander, lasst die Meinung anderer zu, diskutiert, findet gemeinsam Lösungen, es geht um das Wohl der Gemeinschaft, nicht aber um mehr linke oder mehr rechte Ideologien! Raus aus den Hinterzimmern und elitären Stadtratskreisen! Mutig ran ans Volk, auch wenn nicht jeder jeden Beschluss gut finden mag! Vermittelt das politische Geschehen, die Entwicklung der Entscheidungen nachvollziehbar in Lokalzeitungen, in anderen Medien, egal ob print oder digital, und am Stammtisch! Diese Präsenz wird ein Vorteil sein, für eine gute Politik ebenso wie für eine wachsende Anzahl an Parteimitgliedern und damit für die ganze Gesellschaft. So wenig sich das Parteimitglied nach verlorenen Wahlen der Depression hingeben darf, so wenig darf sich der Bürger der Enttäuschung und Wut über Ärgernisse hingeben. In den Parteien mitmischen ist das Gebot der Stunde – da muss keiner drauf warten, da kann man den ersten Schritt auch selbst machen.  

Robert Attenhauser

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