Don Camillos Prügel und die Notwendigkeit zu berichten

Vor einiger Zeit setzte in dem beschaulichen Dorf Brescello ein gewisser Don Camillo eine heftig geführte politische Auseinandersetzung mit seinem kommunistischen Kontrahenten Peppone non-verbal mit einem Holzknüppel fort. Alle fanden diese Form politischer Gewalt lustig, war ja auch nur im Film. Man stelle sich das heute im beschaulichen Bayern vor: der Pfarrer verpasst einem SPD-Bürgermeister eine Tracht Prügel. Was den einen oder anderen Leser amüsant auflachen lässt, hätte im realen Leben neben etlichen blauen Flecken ein Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung zur Folge. Spätestens vor Gericht wäre Schluss mit lustig. Die Pfarrer-Bürgermeister-Geschichte wäre natürlich eine Story wie gemacht für die Zeitung. Aber wie sieht die Sache bei ständiger Wiederholung aus? Ist das dann noch eine Nachricht? Was ist, wenn Politiker, lokal wie international, sich beständig Drohungen ausgesetzt sehen? Was ist, wenn sich die Gewalt ihren Weg in den Alltag gebahnt hat? Journalisten werden, solange es sie noch gibt, Augen und Ohren offenhalten. Und schreiben. Schwierig wird der Bericht, wenn die Klage über Verbalattacken nicht nur das Bedauern mit dem Opfer zur Folge hat, sondern sich auch als PR-Aktion für die Täter erweist – und von dort als Dank ein schmieriges Grinsen kommt. Man grübelt lang über eine Lösung. Manchen Unfug kann ein Politiker (wie ein Journalist auch) einfach wegstecken. Aber es gibt anderes. Nichts zu schreiben geht dann gar nicht. Nur muss stets die Ursache für die Attacken genannt sein – dass aus diesen extremistischen Ecken mangels realpolitischer Inhalte nichts anderes kommen kann als mit Boshaftigkeiten, Beleidigungen und Bedrohungen angefüllter heißer Luft.

Robert Attenhauser


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