Diabolisch

Der Bundestag hat die Widerspruchslösung bei Organspenden abgelehnt - da wird so manches Krankenhausbett zum Sterbebett

Es ist ein diabolisch-konsequentes Entscheidungsverhalten: Wer gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf deutschen Autobahnen ist, der kann auch ruhigen Gewissens gegen eine Widerspruchslösung bei Organspenden sein. Schließlich, so eine Argumentation, wäre das jeweilige Gegenteil ein unverantwortbarer Eingriff in Persönlichkeitsrechte. Wer aber auf ein Spenderorgan wartet und dessen Krankenhausbett sich langsam in ein Sterbebett verwandelt, der legt die Rechtslage möglicherweise anders aus. Neun Jahre wartet ein Nierenkranker auf eine Spenderniere in Deutschland, dreimal solange wie in den meisten anderen europäischen Staaten, in denen die Widerspruchsregelung gilt. Letztlich schadet die Ablehnung der Widerspruchsregelung durch den Bundestag den Deutschen. Bis die beschlossene Zustimmungsregelung mit mehr PR für die Organspende greift, werden noch etliche Krankenhausbetten zu Sterbebetten werde. Eine Widerspruchslösung hätte sofort helfen können. Fraglich bleibt, ob mehr PR und gelegentliches Nachhaken beim Arzt oder auf dem Amt überhaupt zu mehr Organspenden führen wird. Schon seltsam: die Gesetzgeber anderer Länder haben kapiert, dass geringere Geschwindigkeiten die Anzahl vor allem an schweren Unfällen zu verringern hilft. Da muss man eigentlich auch gar nicht viel nachdenken. Bei der Widerspruchslösung verhält es sich ähnlich. Dass sich die Deutschen mehrheitlich wie man hört sowohl für Tempolimits als auch für eine Widerspruchslösung aussprechen, scheint die Mehrheit der Abgeordneten aber nicht zu interessieren. Schade, denkt da nicht nur der Kranke auf dem Sterbebett.

 

Robert Attenhauser

(mit Organspendeausweis)


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