Von diebischen Ignoranten

Der Klau von Text & Bild schadet dem Journalismus – und der Gesellschaft

Das Internet hat zu einer gewaltigen Entwicklung geführt – auch was den Verlust an Anstand und Denkvermögen angeht. Sicher verführen auch technische Möglichkeiten die einfach gestrickten Geister. Ein Text mit Bild ist schnell kopiert, per Drag&Drop auf einer fremden Internetseite eingefügt. Rechtlich gesehen ist dies eine Urheberrechtsverletzung, ein Begriff, mit dem viele nichts anfangen können. Einfach gesagt ist es nichts anderes als Diebstahl, vor allem, wenn Urheber wie beispielsweise Journalisten auf den Ursprungsseiten auf die rechtlichen Gegebenheiten hinweisen. Die aber interessieren nicht mal Abgeordnete oder ihre Mitarbeiter. Eine für mich bedauerliche Erfahrung. Eine böse Mail an die Täter mit rechtlichen Hinweisen, manchmal auch das Drohen mit Verbandsanwälten, und das anschließende Entfernen der Beiträge ist zwar ein Erfolg – Text und Bild waren aber meist lange genug auf fremden Internetseiten, um einen wirtschaftlichen Schaden anzurichten.

Manch einer begnügt sich mit der Kopie eines Links und dem Einfügen der Adresse auf eigene Posts in Facebook & Co. - ohne eine andere, ebenso traurige Entwicklung zu bedenken. Der Bürger begnügt sich im 21. Jahrhundert oft mit dem Konsum einer Überschrift oder eines Bildes. Der weitere Textinhalt ist aufgrund der auf Social-Media-Portalen erwarteten Geschwindigkeit nicht interessant. Eine Text-Überschrift muss reichen. Auch ein Social-Media-Link wird eher selten angeklickt. Der wirtschaftliche Schaden bleibt deshalb auch in diesen Fällen bestehen.

Notwendig erscheint mir weniger eine neue Regelung oder ein neues Gesetz. Notwendig ist mehr Medien-Bildung und Respekt vor der Leistung der Urheber von Texten, Fotos, Grafiken, Ton- und Filmaufnahmen - und das nicht nur von Abgeordneten. Ändert sich das Verhalten nicht, wird sich die Medienwelt weiter ändern, mit noch weniger Journalisten, noch weniger Vielfalt, noch weniger Kontrolle. Das ist nicht nur keine schöne Welt, sie kann auch eine gefährliche sein.

Robert Attenhauser


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