Krankenhaus Burghausen: Zukunft mit Notaufnahme und Altersmedizin

Im Umfeld: Kooperation mit Fachärzten und privaten Angeboten – Geriatrie als möglicher Schwerpunkt – Steindl: „Schließungsszenario“ ist Vergangenheit

Burghausen (rob). Klein aber mit Perspektive: ein Krankenhaus rund um einen Kern aus Notaufnahme und Innerer Medizin – mit kurzen Wegen zu ambulanter, fachärztlicher Versorgung, wie sie teils heute schon besteht. Ein Schwerpunkt kann die Altersmedizin sein – eine private Tagespflege-Einrichtung soll Mitte 2019 den Betrieb in der Nachbarschaft aufnehmen. Diese möglichen Eckpunkte für die Entwicklung des Krankenhauses Altötting schilderten Prof. Michael Kraus, ärztlicher Direktor der Kreiskliniken Altötting-Burghausen, Dr. Martin Feuchtenberger als ärztlicher Leiter der medizinischen Versorgungszentren Burghausen-Altötting und Burghausens Bürgermeister Hans Steindl, der u.a. auf ein bestehendes medizinisches Umfeld am Krankenhaus-Standort hinwies. Zum SPD-Infotermin waren am Dienstag etwa 40 Besucher in die Krankenhaus-Cafeteria gekommen.

Basis Bürgerentscheid

Der landkreisweite Bürgerentscheid vor drei Jahren hatte ein deutliches Ergebnis für den Erhalt des Burghauser Krankenhauses ergeben. Die Zukunft als im Vergleich zur Kreisklinik Altötting kleinere Einheit der beiden Landkreiskliniken war damals in Gefahr. „Ein Schließungsszenario wird nicht mehr kommen“, war sich Bürgermeister Steindl bei der SPD-Infoveranstaltung jetzt sicher. Zwar stünden deutschlandweit kleinere Krankenhäuser mit 80 bis 120 Betten auf dem Prüfstand – Burghausen habe aber aufgrund des Umfeldes eine unvergleichbar bessere Position. Zu diesem Umfeld zählt Steindl u.a. ein Schwerstpflegezentrum, eine Privatklinik, ein aus derzeit fünf Fachbereichen bestehendes Ärztezentrum, dazu die geplante Tagespflege-Einrichtung und in den kommenden Jahren den Bau von 100 bis 150 Pflegeplätzen.

Zudem geht Steindl von Bedarf an medizinischer Versorgung aus, nachdem in den letzten sechs Jahren sechs Arztpraxen ersatzlos geschlossen worden seien.

Notaufnahme plus Altersmedizin

Zur Zukunft des Krankenhauses Burghausen zählt Steindl auf jeden Fall eine Notaufnahme – zumal es bei den Notaufnahmen der Umgebung schon mal Wartezeiten von bis zu vier Stunden geben könne. Rheumatologie, Infektiologie, Palliativmedizin, ein Hospiz – Steindl listet Möglichkeiten auf und stellt die bisherige Konstellation der öffentlichen Trägerschaft in Frage. Weitere Einrichtungen könnten auch privat sein, mit anfangs wenigen und später mehr Gesellschaftern, die das „Geschäft beherrschen“. In der politischen Auseinandersetzung mit dem Landkreis über die Krankenhaus-Zukunft setzt sich Steindl eine Vorgabe: „Es macht keinen Sinn auf Dauerkonfrontation zu gehen.“

Entwicklung während der Sanierung des Krankenhauses Altötting

Der Zeitraum für die grundlegende Entwicklung des Krankenhaues Burghausen orientiert sich Steindl zufolge an der etwa sechsjährigen Sanierungsdauer des Krankenhauses Altötting – hier werde das Krankenhaus Burghausen auch bei möglichen Teilschließungen in Altötting als wichtigster Partner gebraucht. Die für Altötting mit 120 Millionen Euro geplante Sanierung werde am Ende 150 Millionen Euro kosten, vermutete Steindl.

Bgh Krankenhaus SPD 2018Das Krankenhaus Burghausen hat eine Zukunft - welche ist noch unklar. SPD-Diskussion mit Fachleuten im Krankenhaus-Café. (Foto: Attenhauser)

„Es gibt keinen Bereich, der sich so schnell verändert wie die Dinge im Krankenhaus“ – so bewertet Prof. Kraus als ärztlicher Direktor der Kreiskliniken Altötting-Burghausen die Aussichten – auch, weil sich das medizinische Wissen etwa alle fünf Jahre verdoppele. Kraus sieht politische Vorgaben als einen vom Konsens geprägten Rahmen. Dazu komme die Entwicklung der Liegezeiten, die sich von durchschnittlich 11,6 Tagen im Jahr 2007 auf heute etwa 5,7 Tage reduziert habe. Die Frage für die Krankenhausentwicklung auch unter Aspekten wie der Mindestmengenverordnung für Behandlungen sei: „Was funktioniert in der Zukunft?“

Ausbau der Kooperation von stationärer und ambulanter Behandlung

Kraus will eine hohe fachliche Kompetenz bewahren – auch in Form einer Kooperation stationärer und ambulanter Behandlungen, mit Ärzten, die in beiden Bereichen arbeiten. Es bestehe die Möglichkeit, dieses Konzept in Burghausen auszubauen. Dagegen gebe es in einem kleinen Krankenhaus kaum Chancen für eine weitreichende interdisziplinäre Arbeit im stationären Bereich. Kraus nannte als Möglichkeit neben der inneren Medizin eine selektive Chirurgie. Sein Faible sei die Infektiologie.

Flexibel auf beständigen Wandel reagieren

Der ärztliche Direktor sieht für das Krankenhaus Burghausen die Möglichkeit einer kleinen Notaufnahme nach einem Vorgabenkatalog, der dafür zumindest sechs Betten für Intensiv-Behandlung und drei für Beatmung vorsieht – den Erhalt einer Intensivstation in einem Akutkrankenhaus halte er deshalb für nötig. „Medizin light geht gar nicht“, sagt Kraus. Auch deshalb sei eine Entscheidung über die Entwicklung „irgendwann“ fällig.

Kraus sagte, kleinere Krankenhäuser könnten flexibel auf neue Anforderungen reagieren. Es gebe sehr viele Stellschrauben an denen ständig gedreht werden müsse. Für Kraus haben  kleine Krankenhäuser eine Zukunft – wenn auch nicht alle. Kraus bat bei der Entwicklung des Krankenhauses Burghausen um Geduld.

Dr Martin Feuchtenberger, ärztlicher Leiter MED Bayern Ost - Medizinische Versorgungszentren Burghausen Altötting, schilderte eine enorme Entwicklung der ambulanten Versorgung auch in Zeiten immer kürzer werdender Liegezeiten im Krankenhaus. Das Versorgungszentrum sei „nichts anderes als eine große Gemeinschaftspraxis“ – allerdings mit dem Vorteil kurzer Wege vor Ort und Ärzten, die die Patienten auch schon von der stationären Behandlung im Krankenhaus kennen würden.

Tagespflege kommt

Manfred Sturmböck vom Curamus Pflegedienst baut eine bislang in der Stadt fehlende Tagespflege-Einrichtung auf. Start soll Mitte 2019 auf einem 3700 Quadratmeter großen Gelände in der Nachbarschaft der Klinik sein. Den Tagespflege-Bedarf in Burghausen bezifferte Sturmböck auf 35 Plätze. Zwei neue zu bauende Gebäude sollen ein bestehendes, denkmalgeschütztes Haus ergänzen in Form eines Dreiseithofes. Sturmböck antwortete auf Nachfrage von Dr. Klaus Ulm, eine „gute Konzeption“ werde die Anstellung von Pflegekräften ermöglichen. Ulm hatte aufgrund eines deutschlandweit bestehenden Fachkräftemangels gefragt.

Beide Häuser im Blick

„Burghausen kann nur gut leben, wenn Altötting stark ist. Es geht nur gemeinsam“ – dies ist für den SPD-Stadtrat und Kreisrat Franz Kammhuber eine Basis für die Entwicklung des Krankenhauses Burghausen.

 

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