A94 bis München fertig

„Trauer“ oder „Gewinn“ – der BUND und die IHK liefern Statements zum Lückenschluss

Altötting(red). Die A94-Trasse durch das Isental war das umstrittenste Bauprojekt der letzten Jahrzehnte. Seit heute ist das noch fehlende Teilstück zwischen Heldenstein und Pastetten befahrbar. Die Industrie- und Handelskammer und der  Bund Naturschutz haben das Projekt stets unterschiedlich betrachtet. In Stellungnahmen zum heute eröffneten Lückenschluss sprechen die einen von „Gewinn“ und „essentiell“, die anderen von „Trauer“ und „Wut“. Heute ist die offizielle Eröffnungsfeier. Fürs Volk soll die A94 ab dem ersten Oktober befahrbar sein.

In der Mitteilung des BUND heißt es:

Trauer um Heimatverlust, Naturzerstörung, Klimaschädigung und Steuergeldverschwendung

Am 30. September wird das Teilstück der Autobahn A94 durch das Isental freigegeben. Der BUND Naturschutz hatte sich 35 Jahre lang gemeinsam mit Landwirten und Heimatfreunden in einer Aktionsgemeinschaft für die ökologisch verträglichere Variante an der bestehenden Bundesstraße B12 eingesetzt.  

„Eines der naturzerstörendsten und flächenfressendsten Vorhaben, das mit Hunderten Millionen Steuergeldern finanziert worden ist, findet seinen Abschluss. Es ist in Zeiten der Klimakrise und des Artensterbens ein besonders drastisches Beispiel für die verfehlte Verkehrspolitik der Staats- und Bundesregierung“, so Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern, anlässlich der Eröffnung. „Durch den Bau der Isentalautobahn wurde viel Heimat zerstört“ sagt Christine Margraf, stellv. Landesbeauftragte und Artenschutzreferentin des BUND Naturschutz. „Schützenswerteste Landschaft mit kleinstrukturierter Kultur- und Naturlandschaft Oberbayerns wurde für ein unsinniges Neubauprojekt geopfert.“
„Mit Ausnahme der Grünen haben sich hier alle Parlamentsparteien schuldig gemacht“, so Heiner Müller-Ermann, Sprecher der Aktionsgemeindschaft gegen die Isentalautobahn. „Sie haben mit fundamentalistischer Sturheit eine falsche Trassenentscheidung aus den 70er Jahren durchgezogen, obwohl selbst staatliche Fachgutachten zeigten, dass eine Lösung im Bereich der Bundesstraße B12 ungleich besser wäre.“
Und Rita Rott vom BUND Naturschutz Dorfen sagt: „Wir werden uns am Abend dieser Autobahn A 94 Eröffnung nochmal im Dorfner Jakobmayersaal zusammenfinden. Wenn auch der Anlass alles andere als freudig ist, so wird es doch keine Trauerfeier werden. Denn neben unserer Wut auf die Verantwortlichen für diese Zerstörung, bleibt doch die Erinnerung an den großartigen Zusammenhalt in den vielen Jahren des gemeinsamen Kampfes.“.

Aus vielfältigen Gründen wäre der vom BN und der Aktionsgemeinschaft akzeptierte vierspurige Ausbau der bestehenden Bundesstraße B12 die bessere Alternative gewesen:
1.    Durch die Autobahn kam es zu einer Überbauung von Naturgebieten und eine erhebliche Beeinträchtigung des europäischen Fauna-Flora-Habitat-Gebiets „Isen und Nebenflüsse“
2.    Es gab die Notwendigkeit von 56 Querungen davon fünf Großbrücken mit bis zu 600 Meter Länge. Für die Lappachbrücke mussten beispielsweise unzählige 60 Meter tiefe Betonfundamente gegraben werden, um die Stabilität sicher zu stellen.
3.    Intakte Erholungsgebiete, die im Isental zu finden sind, werden weiträumig verlärmt und zerschnitten. Es gab Waldverluste sowie die Beeinträchtigung von Sichträumen und Zerstörung des Landschaftbildes. Ausgerechnet im waldärmsten Landkreis Bayerns, in Erding, wurden Wälder zerschnitten und in der Endmoräne das Landschaftsbild nachhaltig zerstört.
4.    Über 470 Hecktar Land wurden versiegelt.
5.    Der Straßenneubau ist besonders klimaschädlich, da er neben der Bahnlinie erfolgte. Somit werden viele Pendler wieder zum Umsteigen auf das Auto verführt. Der Ausbau der Bahn, der ebenfalls seit den 70er Jahren geplant ist, steht hingegen immer noch in den Sternen. Allein auf dem Neubauabschnitt werden pro Tag bis zu ca. 350 Tonnen Kohlendioxid nach Prognose ausgestoßen.
6.    Der Autobahnbau ist eine extreme Verschwendung von Steuergeldern. Das Bundesverkehrsministerium führt in einem „Bericht zum Bundesverkehrswegeplan 2030“ auf S. 69 Gesamtinvestition von 770, 5 Millionen an. Der vierspurige Ausbau der Bundesstraße B12 hätte deutliche weniger als die Hälfte gekostet.
Fazit:
Der BUND Naturschutz fordert von Ministerpräsident Markus Söder und der Landesregierung aus CSU und Freien Wählern den Stopp für weitere Straßenneu- und -ausbauten in Bayern und die Umverteilung der Mittel für einen attraktiven Bus- und Bahnverkehr. Konkret für die Region heißt das, den vernachlässigten Bahnausbau „München-Mühldorf-Freilassing“ nicht nur voran zu bringen, sondern massiv zu beschleunigen.

Die IHK schreibt:

 A94-Lückenschluss ist Gewinn für den Standort

Obermeier-Osl: „Verkehrspolitischer Meilenstein eröffnet der Region große Chancen“

  „Endlich kann der Verkehr auf der Isentalautobahn fließen. Auf den Lückenschluss der A94 zwischen Pastetten und Heldenstein hat unsere heimische Wirtschaft jahrzehntelang gewartet. Mit der durchgängigen Autobahnverbindung zwischen München, Mühldorf und Altötting ist unsere Region ab sofort gut und sicher für alle erreichbar“, begrüßt Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizepräsidentin und Vorsitzende des Regionalausschusses Altötting-Mühldorf, die heutige Inbetriebnahme des Autobahnteilstücks.

Mit dem Lückenschluss sei, so die IHK-Vizepräsidentin, ein verkehrspolitischer Meilenstein erreicht, der die überregionale Anbindung der Wirtschaft zwischen Inn und Salzach erheblich verbessert. Allein aus Industrie, Handel und Dienstleistungen werden über 14000 regionale Betriebe von dem besseren Anschluss an das bayernweite Fernstraßennetz profitieren. Das gilt ebenso für tausende Pendler aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf „Der Lückenschluss trägt erheblich dazu bei, unsere Landkreise als attraktive Standorte für Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sowie Industrie zu sichern. Auch für dringend benötigte Fachkräfte von außerhalb ist eine gute Verkehrsanbindung essentiell. Nur so ist erfolgreiches Unternehmertum auch in Zukunft möglich“, ist Obermeier-Osl überzeugt.

Gleichzeitig bezeichnet die Unternehmerin den Lückenschluss als eine Zäsur, die die wirtschaftliche Weiterentwicklung in der gesamten Region herausfordert. „Wir haben jetzt die Chance, unseren Standort neu zu denken. Gerade die künftige Entwicklung von Gewerbe und Handel in den Gemeinden braucht eine strategische Planung“, ist Obermeier-Osl überzeugt. Bereits im Sommer dieses Jahres hatte sich der IHK-Regionalausschuss Altötting-Mühldorf deshalb für die Ausarbeitung einer Strategie zur regionalen Standortweiterentwicklung ausgesprochen. An dieser Initiative werden sich auch die Handwerkskammer, die Kreishandwerkerschaft Altötting-Mühldorf sowie beide Landkreise beteiligen. Eine gute Standortanbindung und eine gesicherte, bedarfsgerechte Mobilität, die mit den wachsenden Herausforderungen an die Betriebe Schritt halten kann, sind für die Wirtschaft existenziell. „Wir wissen um das Risiko, das eine nicht abgestimmte Entwicklung den Dreiklang zwischen Wohnen, Leben und Arbeiten in den Kommunen der beiden Landkreise aus dem Gleichgewicht bringen kann“, erklärt Ingrid Obermeier-Osl. Deshalb werde man sich so schnell wie möglich an einen Tisch setzen und mit der Ausarbeitung dieser Strategie beginnen, so die Unternehmerin.

Die IHK-Vizepräsidentin betonte weiterhin, dass man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen dürfe. Der Bau des noch offenen, letzten Teilstücks der A94 ab Marktl am Inn bis zur A3 bei Pocking müsse zügig angegangen werden, so ihre Forderung. Der IHK-Regionalausschuss Altötting-Mühldorf hatte sich einstimmig für den umgehenden und durchgängigen Ausbau der A94 bis zur A3, so wie es im Bundesverkehrsplan festgelegt worden ist, bereits im Herbst 2017 positioniert. „Mobilität ist ein Grundbedürfnis von Wirtschaft und Gesellschaft. Wir dürfen deshalb auch an einem Tag wie diesem den dringend benötigten Lückenschluss zwischen A94 und A3 nicht aus den Augen verlieren. Das übergeordnete Ziel ist die Vernetzung der wirtschaftlichen Zentren unserer Region und Südost-Oberbayerns mit den Großräumen München und Passau. Gleichzeitig muss auch der Ausbau der Schiene konsequent weiterverfolgt werden. Auch hier gibt es in der Region weiterhin zahlreiche Baustellen wie den durchgängigen zweigleisigen Ausbau und die Elektrifizierung der Ausbaustrecke 38 oder die Elektrifizierung der Strecke von Tüßling nach Burghausen und deren Ertüchtigung, um höhere Achslasten und längere Güterzüge zu ermöglichen.


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