„Allen Unkenrufen zum Trotz“ erhält UN-Auszeichnung

Beitragsseiten

Schutzvorhaben in sechs oberbayerischen Landkreisen hat jetzt Status als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mühldorf (red). Das Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“, das auch den Landkreis Mühldorf umfasst, ist im Juli als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet worden. Diese Ehrung wird vorbildlichen Projekten zuteil, die sich in besonderer Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt in Deutschland einsetzen. Die Würdigung wurde durch das Bundesamt für Naturschutz an die Vertretungen der vier Träger BUND Naturschutz, Landkreis Freising, Landkreis Neuburg/Donau und Landkreis Altötting überreicht. Im Landkreis Mühldorf wird das Projekt von der Kreisgruppe des BUND Naturschutz vertreten. „Wir freuen uns sehr, auch im Namen der Unken“, sagt der Mühldorfer BN-Kreisvorsitzende Andreas Zahn.

In der Mitteilung der BN-Gruppe Mühldorf heißt es weiter:

Foto: BUND/ZahnMühldorfer Gelbbauchunke. Das Schutzprojekt ist offiziell Teil eines UN-Porgramms. (Foto: BUND/Zahn)Über 400 Biotope wurden im Projektgebiet für die Gelbbauchunke eingerichtet, mehrere Grundstücke für den Erhalt dieses kleinen Froschlurchs gesichert, rund 90 Menschen für den Schutz dieser Art ausgebildet – das kann sich als Bilanz aus den ersten vier Jahren des Projekts sehen lassen, heißt es vonseiten der Trägergemeinschaft. Im Landkreis Mühldorf wurde neben der Anlage von Gewässern auch die Pflege von Unkenlebensräumen durch Wasserbüffel finanziert.

Das bisher im Projekt Erreichte ist nach Ansicht der Naturschützer eine wichtige Unterstützung für die Unkenbestände, allerdings im Sinne einerNothilfe, wie Dr. Dorothea Friemel von der Unteren Naturschutzbehörde in Altötting feststellt. Denn die Gelbbauchunke ist in der Roten Liste der gefährdeten Arten Bayerns als stark bedroht eingestuft. Und das, obwohl ein Drittel der Weltpopulation dieser Art in Süddeutschland vorkommt. Deutschland hat dadurch eine besondere Verantwortung für ihren Erhalt. Erforderlich wurde das Artenhilfsprojekt aufgrund der Gefährdung der Lebensräume der Gelbbauchunke. Sie benötigt Kleingewässer wie Quelltümpel, Seigen in Wiesen und auf Viehweiden, aber auch Pfützen und wassergefüllte Fahrspuren für die Fortpflanzung. Diese Lebensräume sind auch im Landkreis Mühldorf selten geworden, die Unke ist aus weiten Teilen des Landkreises verschwunden.

„Früher ist diese Vielfalt an Kleingewässern in den dynamischen Flüssen und Auen immer frisch entstanden“, betont Dr. Christine Margraf, stellvertretende Landesbeauftragte des Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN), der mit seinen Kreisgruppen in allen sechs Landkreisen Träger des Projekts ist. „Heute sind die meisten Flüsse baulich so verändert und die Dynamik so eingeschränkt, dass dieser Prozess kaum mehr wirkt.“ Auch in den Bereichen der Forst- und Landwirtschaft entstehen zu wenig Pfützen für die Gelbbauchunke, oder sie werden schnell wieder verfüllt. Ein Übriges tut der Klimawandel: Ist es heiß und trocken führen Kleingewässer nicht lang genug Wasser, um das Aufwachsen der Unkenkaulquappen zu ermöglichen. „Die letzten Sommer waren für die Unken im Landkreis Mühldorf sehr schlecht“ stellt dazu Andreas Zahn fest. „Erst in diesem Jahr besteht aufgrund der Regenfälle wieder einmal Hoffnung für den Unkennachwuchs“.

Ein Ziel des Projekts ist es, die verinselten Vorkommen der Unke über den großen Raum von sechs Landkreisen zu vernetzen – neben Altötting, Freising und Neuburg sind dies Mühldorf, Erding und Pfaffenhofen. In allen sechs Landkreisen sind die BN-Kreisgruppen und die ehrenamtlichen Unkenpatinnen und -paten aktiv, um die Lücken zu schließen. Sie prüfen im Frühjahr, ob geeignete Gewässer vorhanden sind, im Sommer, ob die Kaulquappen sich entwickeln können und einige Wochen später, wie viele ausgewachsene Unken überlebt haben. Infoveranstaltungen und Vernetzungstreffen sorgen dafür, dass sich die vielen Ehrenamtlichen auch über die Projektlaufzeit hinaus mit um die Unkenvorkommen kümmern können. Diese Aktivitäten haben die UN-Dekade-Fachjury nachhaltig beeindruckt. Schließlich hat die Dekade zum Ziel, möglichst viele Menschen für den Schutz und den Erhalt der Biodiversität zu begeistern. Im Landkreis Mühdorf stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

Die UN-Dekade Biologische Vielfalt

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Ein breit verankertes Bewusstsein in unserer Gesellschaft für den großen Wert der Biodiversität ist eine wichtige Voraussetzung. Die UN-Dekade Biologische Vielfalt in Deutschland lenkt mit der Auszeichnung vorbildlicher Projekte den Blick auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie uns bietet. Gleichzeitig zeigen diese Modellprojekte, wie konkrete Maßnahmen zum Erhalt biologischer Vielfalt, zu ihrer nachhaltigen Nutzung oder der Vermittlung praktisch aussehen können. Über die Auszeichnung von Projekten entscheidet eine unabhängige Fachjury, an der Vertreter/innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen beteiligt sind. Informationen zur UN-Dekade sind online bei der Geschäftsstelle UN-Dekade Biologische Vielfalt unter www.undekade-biologischevielfalt.de zu finden.

Hintergrundinformationen zu „Allen Unkenrufen zum Trotz“

Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Die Trägerschaft haben die Landkreise Altötting, Freising und Neuburg-Schrobenhausen sowie der BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) mit sechs Kreisgruppen in Altötting, Erding, Freising, Mühldorf a. Inn, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen a. d. Ilm übernommen. Die Landkreise Altötting, Freising, Neuburg-Schrobenhausen sowie der BUND Naturschutz in Bayern e.V. haben zum Zweck der Umsetzung des Projektes eine Trägergemeinschaft gebildet, für die der Landkreis Freising die Geschäftsführung übernommen hat. Insgesamt fließen in fünf Jahren 670.000 Euro in verschiedene Maßnahmen, so dass sich die Bestände der Gelbbauchunke bis zum Ende der Laufzeit am 30. Juni 2021 möglichst erhöht haben werden.

 

Kontakt:

Projektmanagerin Judith Jabs-Ingenhaag: Tel: 0172/32 130 54 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

BN-Kreisgrupppe Neuburg-Schrobenhausen, Karlheinz Schaile, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 0175 2433 773

BN-Kreisgrupppe Pfaffenhofen, Christine Janicher-Buska, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 08441/71 880

BN-Kreisgrupppe Freising, Manfred Drobny, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 08161/660 99

BN-Kreisgrupppe Erding, Sabine Lanzner, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 08122/13 801

BN-Kreisgrupppe Mühldorf am Inn, Dr. Andreas Zahn, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 08638/86 117

BN-Kreisgrupppe Altötting, Gerhard Merches, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 08671/85 711


Für das Schreiben von Kommentaren ist eine Mitgliedschaft erforderlich.

Diese Website nutzt Cookies, teils notwendig für den Betrieb, teils für die Nutzer-Analyse zur Verbesserung des Angebots (Tracking Cookies).

Sie können entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen. Möglicherweise stehten bei einer Ablehnung nicht alle Seitenfunktionen zur Verfügung.