Kommentar: Problemzone Wahl

Ob sprachliche Gewalt oder alltägliche Gängeleien - die Demokratie steht unter Beschuss

Zielbewusste Problemlöser, meinungslose Mitläufer, machtbewusste Egozentriker – solche Typen gibt es bei jeder Kommunalwahl. Der Wähler weiß: Kandidaten erscheinen gelegentlich als Wölfe im Schafspelz, machen einem bis zum Wahltag schöne Augen, versprechen viel und halten nach dem Tag der Entscheidung mitunter wenig. Eine um sich greifende Politikverdrossenheit gilt als eine Folge, zunächst als Wahlmüdigkeit auftretend, später als Rückzug vieler Bürger ins Private. Die Gleichgültigkeit des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft ist eines der heutigen Kernprobleme, neben Klimawandel oder auch hohen Wohnkosten. Politischer Extremismus ist eine Form der Gegenbewegung. Doch die Masse schweigt, wie so oft. Für die Ergebnisse dieser Kommunalwahl und aller Wahlen darüber hinaus wünsche ich mir politisch mutige und aktive Politiker, mit einer eigenen, dem Bürger wohlgesonnenen Agenda. Vielleicht führen viele Wege zu einem Ziel, darunter ist oft eine für die Mehrheit beste Lösung. Die Minderheit möge diese beste Entscheidung in einer Demokratie akzeptieren, die gewählten Politiker auch unangenehme Wege gemeinsam mit den Bürgern beschreiten. Für diesen Prozess braucht es unabhängige und aktive Medien als Begleiter. Die freie Presse steht auch hierzulande unter Beschuss, sei es durch schwindende und doch für den Journalismus notwendige Einnahmen, sei es durch Gängelung unterschiedlichster Art wie beispielsweise dem Ausschluss von Veranstaltungen oder von fehlenden Antworten auf Fragen. Bürger, Politik und professioneller Journalismus sind ein hoffentlich harmonischer Dreiklang für das Gelingen eines erträglichen Zusammenlebens und für den Erhalt von Demokratie und Freiheit. Zu ihren Feinden zählen mitunter Gleichgültigkeit, Oberflächlichkeit, Boshaftigkeit, körperliche wie sprachliche Gewalt. Dies sollte allen stets bewusst sein.

Robert Attenhauser


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