Corona-Bekämpfung hat Priorität – Kreishallenbad bleibt für Sportler geschlossen

Landrat weist Änderungs-Forderung im Kreisausschuss zurück – Verwaltung weist auf günstige Lage und Raumstruktur als Corona-Testzentrum hin

Altötting (rob). Das Kreishallenbad in Neuötting bleibt Corona-Testzentrum mit Option auf die Unterbringung einer Fieberambulanz - Landrat Erwin Schneider (CSU) hat die Forderung der Töginger Stadträtin Birgit Noske (SPD) nach einer Öffnung des Hallenbades für den Schwimmbetrieb zurückgewiesen in der Kreisausschuss-Sitzung vergangene Woche. Schneider räumt den Anforderungen der Corona-Pandemie „Priorität“ ein gegenüber dem Schwimmbetrieb für Schüler und Wasserwacht-Training.

Noske hatte sich mit einem Brief an die Kreisräte gewandt (s.u.) und auf die ihrer Ansicht nach bestehende Notwendigkeit der Öffnung des Kreishallenbades für den Schwimmbetrieb hingewiesen. Noske wiederholte die Forderung persönlich in der Kreisausschuss-Sitzung mit Hinweis auf sonst bestehende Nachteile für den schulischen Schwimmunterricht als auch für das Wasserwacht-Training. Noske sagte, ein Testzentrum könne auch an einem anderen Ort eingerichtet werden.

Das Kreishallenbad war bereits während der Pandemie-Anfangsphase als Corona-Testzentrum in Betrieb und wurde nach einigen Monaten als solches geschlossen. Der Landkreis nahm das Hallenbad erneut als Corona-Testzentrum in Betrieb, nachdem die Regierung von Oberbayern die Einrichtung eines solchen Testzentrums vorgeschlagen hatte – auch aufgrund steigender Infektionszahlen.

Landrat Schneider sagte, eine Änderung stehe „aufgrund der Bedeutung für mich nicht zur Debatte“. Das Hallenbad habe Vorteile im Verlauf des Testverfahrens, auch könne dortiges Personal eingesetzt werden. Ein Umbau auf den Badebetrieb würde sechs Wochen dauern.

Die Verwaltung verwies zudem auf Vorteile des Hallenbad-Gebäudes: so könnten zu testende Personen auf einem „Einbahn-Weg“ durch die Testräume geschleust werden – ohne auf einem Rückweg Kontakt mit anderen Personen zu bekommen. Zudem könne das Hallenbad „sauber“ desinfiziert werden, die Belüftung sei gewährleistet. Ein weitere Vorteil sei die Abdeckung mit ausreichender Telekommunikationskapazität für die Datenübertragung, ein anderer die vorhandenen Parkplätze.

Unklar ist, ob die durch den fehlenden Badebetrieb auch fehlenden Einnahmen in Höhe von etwa 50000 Euro durch die Regierung getragen werden.

 

Der Brief Birgit Noskes an die Kreistagsmitglieder:

„Sehr geehrter Hr. Landrat Schneider, sehr geehrter Dr. Döllein, sehr geehrte Kreisräte,

mit Entsetzen habe ich in der Altöttinger Zeitung den Zeitungsartikel vom 6. August 2020 über die Entwicklung des Covid-Zentrums im Hallenbad gelesen. Ich kann nur an die Vernunft appellieren, einen neuen Standort für das Covid-Zentrum zu suchen. Die Schließung des Hallenbades wird über Jahre hinweg gravierende Folgen haben. Mir ist der Ernst der derzeitigen Lage sehr bewusst, aber man kann der Bevölkerung nicht einfach bestehende Freizeitangebote wegnehmen. Das Bad wird im Winter von vielen Familien, Kindern, Jugendlichen, Behinderten und Sporttreibenden besucht. Zudem wird der Wasserwacht im Landkreis die Trainingsmöglichkeit im Winter genommen – die Wasserwacht soll dann aber im darauffolgenden Jahr voll einsatzfähig den Dienst an Seen und Freibädern übernehmen. Die Jugendarbeit der Wasserwacht wird schwer leiden und diese Auswirkungen werden sich erst in Jahren zeigen, wenn kein Nachwuchs mehr vorhanden ist, weil er nicht gepflegt werden konnte. Die Schwimmvereine im Landkreis können ebenfalls keine Jugendarbeit mehr anbieten. Die Schwimmfähigkeit der Kinder wird in kürzester Zeit ebenfalls stark zurückgehen. Es konnten schon in diesem Sommer in den Freibädern kaum Schwimmkurse für Kinder angeboten werden, auch hier wird das Ausmaß erst in Jahren erkennbar sein. Für Schulen, egal wie sich die Covid-Lage weiter entwickelt, wird jeder Schwimmunterricht unmöglich gemacht. Die Behindertengruppen im Landkreis waren regelmäßig zu Besuch im Bad. Auch hier nimmt man den Menschen eine große Bewegungsmöglichkeit.

In diesem Sinne, kann ich verstehen, wenn Bürgerinnen und Bürger zum Demonstrieren auf die Straße gehen. Man darf nicht nur in eine Richtung denken. Dieses Gefühl entsteht bei mir und es macht mir ganz große Sorge.

Daher mein Appell:

Bitte vermeiden Sie die Schließung des Kreishallenbads Neuötting für die Wintersaison 2020/2021.

Ich bin gerne für ein Gespräch oder eine Videokonferenz mit den anderen betroffenen Akteuren bereit, um über dieses Thema zu sprechen.

 

Mit freundlichem Gruß

Birgit Noske“


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